
Erdzeitalter und Erdgeschichte
Die ca. 4,56 Milliarden Jahre Erdgeschichte unterteilt man wissenschaftlich in verschiedene Erdzeitalter. Diese sind oft mit wichtigen Veränderungen und Ereignissen auf der Erde verknüpft, wie zum Beispiel Vulkanausbrüche, Einschläge von Meteoriten oder Überschwemmungen.
Ebenso sind die Entstehung und die Bewegung von Kontinenten, die großen Veränderungen im Erdklima, die Eiszeiten sowie die Ausbreitung von Wäldern, Pflanzen und anderen Lebewesen mit den Erdzeitaltern verbunden.
Und auch die gesamte Geschichte der Entwicklung des Lebens auf unserem Planeten hängt stark mit den Erdzeitaltern und den dort jeweils vorherrschenden Umweltbedingungen zusammen.
Das Wissen über diese Zusammenhänge ergibt sich aus der Untersuchung der Gesteinsschichten unter der Erdoberfläche:
- Durch verschiedene physikalische und chemische Methoden kann die Zusammensetzung der Gesteine in den jeweiligen Schichten untersucht werden.
- Auch kann der Zeitraum, in dem sich die jeweilige Schicht des Sedimentgesteins gebildet hat, bestimmt werden.
- Und die Fossilien, die in den jeweiligen Schichten gefunden werden, geben Hinweise auf die Lebewesen, die in den entsprechenden Erdzeitaltern existierten.
So ergibt sich für die kompletten 4,5 Milliarden Jahre Erdgeschichte eine geologische Zeitskala, die auf den verschiedenen Erdzeitaltern beruht, welche mit den Schichten des Sedimentgesteins verknüpft sind.
Man kann also sagen:
Die Gesteinsschichten der Erde erzählen die Geschichte der Erde.
In diesem Artikel gehen wir genauer auf diesen Zusammenhang der geologischen Erdzeitalter mit der Erdgeschichte ein. Dabei interessieren vor allem diese Punkte und Fragen:
- Welches sind die Erdzeitalter?
- Wie hängen die Erdzeitalter mit der Erdgeschichte zusammen?
- Wann erfolgte die Entstehung der Erde?
- wann gab es das erste Wasser, den ersten Sauerstoff und
- wann die ersten Lebewesen auf der Erde?
- Und wie haben Wissenschaftler all dies herausgefunden?
Die Kapitel im Überblick
Geologische Zeitskala
Die Unterteilung der Erdgeschichte in Erdzeitalter geht zurück auf die geologische Zeitskala, welche sich aus der Anordnung der Schichten des Sedimentgesteins ergibt.
Schichtung des Sedimentgesteins
Die Sedimentgesteine sind in vertikaler Richtung zeitlich aufeinanderfolgend angeordnet (Stratigraphisches Prinzip): Je weiter man von der Erdoberfläche in die Gesteinsschichten nach unten vordringt, umso älter sind die Gesteine.
Dieser Zusammenhang wird seit ca. 4 Jahrhunderten mit immer moderneren Methoden wissenschaftlich genau untersucht. Die entsprechenden Fachgebiete der Geologie heißen Chronostratigraphie und Geochronologie.
Die zeitliche Zuordnung der Gesteinsschichten zu den Erdzeitaltern spielt für viele weitere Gebiete der Naturwissenschaften eine große Rolle:
- Durch die anorganischen Verbindungen in den Sedimentgesteinen können Wissenschaftler zurückschließen auf die physikalischen und chemischen Bedingungen in den verschiedenen Zeiträumen.
Die Zusammensetzung der Gesteine kann untersucht werden und so kann zum Beispiel auf den Wassergehalt, den Sauerstoffgehalt und andere Umweltbedingungen geschlossen werden. - Die Gesteine können datiert werden, was eine zeitliche Zuordnung der Schichten und damit auch der jeweiligen Umweltbedingungen ermöglicht.
So können für viele wichtige Ereignisse und Veränderungen in der Erdgeschichte ungefähre oder oft auch ziemlich genaue Zeiträume bestimmt werden. - Die organischen Verbindungen und die in den Sedimenten gefundenen Fossilien ermöglichen ebenfalls eine Datierung und so eine zeitliche Rekonstruktion der Geschichte des Lebens auf der Erde.
Zusammen mit den Faktoren, die Informationen über die damaligen Umweltbedingungen geben, kann so rekonstruiert werden, unter welchen Bedingungen sich die verschiedenen Lebewesen entwickelten.
Geologie und Erdgeschichte
Im Laufe der letzten etwa vier Jahrhunderte haben Tausende von Wissenschaftlern an vielen Orten der Erde die Gesteinsschichten datiert und klassifiziert. Die Ergebnisse werden weltweit miteinander verglichen und haben so eine vereinheitlichte Klassifizierung der Schichten ermöglicht:
- Gesteine und Fossilien, die in der gleichen Schicht gefunden werden, entsprechen dem gleichen Zeitalter. Funde aus tieferen Schichten stammen aus Zeitaltern, die weiter zurückliegen als Funde aus höheren Gesteinsschichten, und umgekehrt.
- Die Gesteinsschichten und damit auch viele wichtige Ereignisse in der Erdgeschichte konnten so zuerst in Bezug zueinander, also auf einer relativen Zeitskala eingeordnet werden.
- Mit immer neueren Methoden konnten die Gesteine, die Fossilien und damit die Gesteinsschichten selber auch datiert werden. Dies ermöglichte die Einordnung der Gesteinsschichten auf einer absoluten Zeitskala.
So gibt es heute eine global gültige geologische Zeitskala, die allen Gesteinsschichten einen genauen Zeitraum zuordnet. Und genau dies sind die Erdzeitalter.
Zu den wichtigen Ereignissen und Entwicklungen, die mit den Erdzeitaltern bzw. den Schichten der Sedimentgesteine verbunden sind, gehören zum Beispiel:
- die Entstehung der Erde
- die Abkühlung der Erdoberfläche über viele Millionen von Jahre
- Einschläge von Meteoriten
- Zeitpunkt und Intensität von Vulkanausbrüchen
- Erstes Leben auf der Erde
- Entstehung der Kontinente
- Anstieg des Sauerstoffgehalts (in der Atmosphäre und in den Ozeanen)
- Entwicklung von komplexem Leben
- Veränderungen im Klima (Temperatur, CO₂-Gehalt)
In den folgenden Kapiteln fassen wir zusammen, wie diese und weitere Ereignisse mit den Erdzeitaltern und der geologischen Zeitskala zusammenhängen. Und wir schauen, wie Wissenschaftler dies herausgefunden haben.
Die Erdzeitalter im Überblick
Bevor wir näher auf den Zusammenhang mit der Erdgeschichte eingehen, werfen wir zunächst einen Blick auf die genaue Definition und Festlegung der verschiedenen Erdzeitalter.
Die 4 Äonen
Die größte Einheit der Erdzeitalter ist das Äon. Es gibt in der Erdgeschichte 4 Äonen, welche jeweils mehrere Hundert Millionen Jahre dauern:
- Das erste Äon ist das Hadaikum. Es beginnt mit der Entstehung der Erde vor etwa 4,6 Milliarden Jahren und endet vor ca. 4 Milliarden Jahren.
- Darauf folgt das Archaikum (bzw. Archäozoikum), welches ca. 1,5 Milliarden Jahre dauert, also vor etwa 2,5 Milliarden Jahren endet.
- Das dritte Äon ist das Proterozoikum, welches mit einer Dauer von ca. 2 Milliarden Jahren das zeitmäßig umfangreichste Äon ist.
- Das vierte und bisher letzte Äon ist das Phanerozoikum. Es beginnt vor 541 Millionen Jahren und dauert aktuell an.
Die Bedeutung der Namen
Die Namen für die 4 Äonen stammen aus dem Altgriechischen. Sie wurden Ende des 19. Jahrhunderts von führenden Geologen vergeben. Die Bedeutung der griechischen Wörter gibt eine kurze und prägnante Beschreibung der jeweiligen Zeitalter:
- Der Name Hadaikum geht zurück auf Hades, den griechischen Gott der Unterwelt. Das Wort Hadaikum beschreibt damit die Bedingungen auf der frühen Erde: flüssige Lava und Temperaturen von Tausend Grad an der Oberfläche.
- Die Bezeichnungen Archaikum und Archäozoikum sind aus den griechischen Wörtern arkhe (Beginn) und zoon (Leben) zusammengesetzt. Archaikum bedeutet also „Zeit des Beginns“ und Archäozoikum bedeutet „Zeit des ersten Lebens“.
- Das Wort Proterozoikum ist eine Zusammensetzung aus den Wörtern proteros (früh) und zoon (Leben) und bedeutet „Zeitalter des frühen Lebens“.
- Entsprechend bedeutet Phanerozoikum: „Zeitalter des sichtbaren Lebens“.
Die 4 Äonen im Überblick
| Äon | Start bis Ende (Millionen Jahre bevor) | Bedingungen | Leben |
|---|---|---|---|
| Hadaikum | 4.567 bis 4.031 | flüssige Lava | evtl. erstes Leben (?) |
| Archaikum | 4.031 bis 2.500 | Wasserwelt, Atmosphäre ohne Sauerstoff | Bakterien und Archaeen |
| Proterozoikum | 2.500 bis 541 | mehr Sauerstoff in der Atmosphäre | erste Tiere |
| Phanerozoikum | 541 bis aktuell | komplexe Tier- und Pflanzenwelt |
Weitere Unterteilung der Erdzeitalter
Die Äonen stellen nur die gröbste Klassifizierung der Erdgeschichte dar, denn das Aon ist die größte Einheit der Erdzeitalter. Die nächst feinere Unterteilung ist die Ära. Man unterteilt die Äonen (bis auf das Hadaikum) also weiter in Ären.
So besteht zum Beispiel das Archaikum aus diesen 4 Ären: Eoarchaikum, Paläoarchaikum, Mesoarchaikum und Neoarchaikum. Diese dauern jeweils 300 bis 400 Millionen Jahre.
Für die beiden Äonen Proterozoikum und Phanerozoikum ist eine noch feinere Unterteilung möglich. Diese sind zunächst in Ären und dann weiter in Perioden unterteilt. Noch genauere Unterteilungen der Perioden sind dann die Epochen und schließlich die Alter.
Wie gehen auf diese verschiedenen Einheiten und Skalen der Erdzeitalter in den folgenden Kapiteln genauer ein.
Erdzeitalter und Erdgeschichte
In diesem Kapitel geben wir einen Überblick der Erdzeitalter und den jeweiligen Bedingungen auf der Erde. Auch fassen wir kurz die sich daraus ergebenden wichtigsten Entwicklungen und Ereignisse der Erdgeschichte zusammen, die in den verschiedenen Zeitaltern stattgefunden haben.
Das Hadaikum
Zeitraum: 4.567 bis 4.031 Millionen Jahre vor heute
Entstehung der Erde
Das erste der vier Äonen beginnt mit der Entstehung des Planeten Erde vor etwa 4,56 Milliarden Jahren. Etwa zu dem gleichen Zeitpunkt entstanden auch die Sonne und die übrigen Planeten, also unser Sonnensystem.
Nach dem heutigen Wissensstand entstehen Planeten und Sonnensysteme aus einer Wolke aus Gas und Staub.
Über Millionen von Jahren verdichtet sich diese Staubwolke zunächst zu einer protoplanetaren Scheibe, dann zu kleinen Gesteinen, dann zu immer größeren Asteroiden und schließlich zu Protoplaneten, bzw. im Fall der Erde zur Protoerde.
Entstehung des Mondes
Das Hadaikum ist auch geprägt durch eine große Anzahl von Asteroideneinschlägen, welche die Oberfläche verwüsteten. Der Einschlag des riesigen Asteroiden Theia vor ca. 4,4 Milliarden Jahren hat wahrscheinlich dafür gesorgt, dass sich der Mond bildete.
Siehe hierzu auch das Kapitel Entstehung des Mondes in diesem Artikel:
Flüssige Lava und erste Gesteine
Nach der Entstehung unseres Planeten bestand die Erdoberfläche zunächst aus flüssiger Lava. Im Laufe von vielen Millionen Jahren kühlte sich die Erde ab und es bildeten sich vor ca. 4,4 Milliarden Jahren die ersten festen Gesteine (Minerale), von denen heute noch einige wenige existieren.
Wasser und Atmosphäre
Kurz nach der Entstehung der Erde bestand die Atmosphäre zunächst aus Wasserstoff und Helium, also den Molekülen, aus welchen sich die Sonne und das Sonnensystem bildeten. Diese leichten Moleküle konnten jedoch nicht von der Erdgravitation gehalten werden und die erste Atmosphäre verschwand schon bald in den Weltraum.
Die zweite Atmosphäre der Erde bildete sich aus Wasserdampf, Kolhendioxid, Stickstoff und Methan. Der Wassserdampf stammte dabei wohl zum größten Teil aus dem Inneren der Erde und gelangte durch zahlreiche Vulkanausbrüche in die Atmosphäre.
Über Tausende von Jahren regnete ein Teil des Wasserdampfs der Atmosphäre nieder und formte so das erste flüssige Wasser auf der Erdoberfläche. So bildeten sich mit der Zeit die Ozeane.
Erste eindeutige Hinweise auf Wasser an der Erdoberfläche wurden in ca. 4,4 Milliarden Jahre alten Gesteinen gefunden. Weitere Quellen für das Wasser auf der Erde sind wahrscheinlich die im Hadaikum und Archaikum sehr häufigen Einschläge von Eis-Asteroiden.
Beginn des großen Bombardments
Zum Ende des Hadaikums, etwa vor 4,1 Milliarden Jahren, beginnt ein etwa 300 Millionen Jahre dauernder Zeitraum, in dem die Erde von extrem vielen Asteroiden getroffen wurde.
Grund hierfür war wahrscheinlich die zunehmende Entfernung der Gasgiganten Jupiter und Saturn von der Sonne. So wurden die Asteroiden aus dem Asteroidengürtel deutlich weniger von der Schwerkraft dieser riesigen Planeten angezogen und deshalb sehr viel häufiger zu den inneren Planeten (Merkur, Venus, Erde, Mars) gelenkt.
Hinweise auf erstes Leben
Noch bis vor wenigen Jahrzehnten war die in der Wissenschaft vorherrschende Ansicht, dass unter den Bedingungen des Hadaikums kein Leben entstehen konnte.
Nach dem aktuellen Kenntnisstand ist jedoch möglicherweise schon im Zeitraum von 4,2 bis 3,9 Milliarden Jahren vor heute, also zum Ende das Hadaikums, das erste Leben entstanden. Es gibt hierfür jedoch bis jetzt nur indirekte Hinweise, also keine eindeutigen Fossilienfunde.
Das Archaikum
Zeitraum: 4.031 bis 2.500 Millionen Jahre vor heute
Das Äon Archaikum („Zeit des Beginns“) wird gelegentlich auch Archäozoikum („Zeit des ersten Lebens“) genannt und ist unterteilt in 4 Ären:
- Eoarchaikum: vor 4.031 bis 3.600 Millionen Jahren
- Paläoarchaikum: vor 3.600 bis 3.200 Millionen Jahren
- Mesoarchaikum: vor 3.200 bis 2.800 Millionen Jahren
- Neoarchaikum: vor 2.800 bis 2.500 Millionen Jahren
Im Zeitalter des Archaikums wurden die Umweltbedingungen zunehmend lebensfreundlicher. Dies führte zu einer Reihe von Entwicklungen, die zum einem das erste Leben ermöglichten, zum anderen auch die Grundlage für die Entwicklung der späteren Lebewesen bildeten.
Ende des großen Bombardments
Die extrem häufigen Einschläge von Asteroiden, welche zum Ende des Hadaikums begonnen hatten, endeten etwa vor 3,8 Milliarden Jahren. Durch die große Menge an Asteroiden, die über einen Zeitraum von vielen Millionen Jahren einschlugen, nahm nicht nur die Masse der Erde zu.
Es kam durch die Einschläge auch zu einem Anstieg an Energie und Wärme. Und die vielen Asteroiden brachten zusätzliche chemische Elemente, anorganische Verbindungen und eventuell auch organische Verbindungen auf die Erde.
Stabile Kontinente
Die stabilen Kerne der Kontinente, die sogenannten Kratone bildeten sich. Die Erdkruste hatte sich wahrscheinlich bereits im Hadaikum gebildet.
Bakterien und Archaeen
Zwar ist das erste Leben wahrscheinlich bereits im Hadaikum entstanden. Dies folgt aber nur aus Überlegungen, Theorien und indirekten Hinweisen.
Für das Archaikum hingegen gibt es viele eindeutige Zeichen für Leben: Die ältesten unstrittigen Fossilienfunde stammen aus dem Eoarchaikum und werden auf ein Alter von etwa 3,9 bis 3,6 Milliarden Jahre datiert.
Photosynthese, Sauerstoff
Ungefähr vor etwa 3,5 Milliarden Jahren, also im Paläoarchaikum, gab es die ersten Mikroorganismen, welche die Energie der Sonne durch Photosynthese nutzen konnten.
Etwa im gleichen Zeitraum enstanden mit den Cyanobakterien auch die ersten Lebewesen, die Sauerstoff produzieren konnten. Bedeutende Mengen von Sauerstoff wurden jedoch wahrscheinlich erst mit Beginn des Neoarchaikums, also vor etwa 2,8 Milliarden Jahren produziert.
Atmosphäre
Der Anteil von Sauerstoff in der Erdatmosphäre nahm durch die Cyanobakterien zwar langsam zu. Die Konzentration von Sauerstoff war aber auch zum Ende des Archaikums um viele Größenordnungen kleiner als heute. Dies sollte sich erst ca. Hundert Millionen Jahre später im Paläoproterozoikum ändern.
Das Proterozoikum
Zeitraum: 2.500 bis 541 Millionen Jahre vor heute
Das ca. 2 Milliarden Jahre dauernde Proterozoikum ist das längste Äon der Erdgeschichte. Es ist unterteilt in drei Ären:
- Paläoproterozoikum: vor 2.500 bis 1.600 Millionen Jahren
- Mesoproterozoikum: vor 1.600 bis 1.000 Millionen Jahren
- Neoproterozoikum: vor 1.000 bis 541 Millionen Jahren
Diese Ären sind weiter unterteilt in mehrere Perioden.
Der erste Teil des Proterozoikums (ca. bis vor 1,8 Milliarden Jahren) umfasst mehrere Entwicklungen und Ereignisse, die von entscheidender Bedeutung für die Erdgeschichte und die Entwicklung des Lebens waren.
Der zweite Teil hingegen wird als Boring Billion (Langweilige Milliarde) bezeichnet, weil sich in diesem Zeitraum (ca. vor 1,8 bis 0,8 Milliarden Jahren) nicht sehr viele bedeutende Ereignisse abspielten. Dies ist zumindest der gegenwärtige Kenntnisstand.
Im Folgenden geben wir einen kurzen Überblick der wichtigsten Entwicklungen und Ereignisse im Proterozoikum:
Große Sauerstoffkatastrophe
Hierunter versteht man den Anstieg des Gehalts an Sauerstoff in der Atmosphäre und in den Wasserflächen. Etwa vor ca. 2,4 Milliarden Jahren begann der Anteil an Sauerstoff um mehrere Größenordnungen zuzunehmen. Dies war eine Folge von immer mehr Kleinstlebewesen wie den Cyanobakterien, welche Sauerstoff durch Photosynthese produzierten.
Für die meisten der damaligen Lebewesen war dies allerdings eine Katastrophe, da sie den Sauerstoff nicht atmen konnten. Doch für die weitere Entwicklung des Lebens war dieser Sauerstoff eine wichtige Voraussetzung: Fast alle heutigen Lebewesen, insbesondere auch die Säugetiere und Menschen, benötigen Sauerstoff.
Huronische Eiszeit
Die erste der 5 großen Eiszeiten begann vor etwa 2,4 bis 2,3 Milliarden Jahren und dauerte ca. 300 Millionen Jahre. Die Huronische Eiszeit wird oft auch paläoproterozoische Vereisung, gelegentlich aber auch Archaische Eiszeit genannt. Der Zeitraum fällt jedoch in das Paläoproterozoikum.
Für eine Übersicht der Eiszeiten der Erdgeschichte siehe diesen Artikel:
Erste Eukaryoten
Der schnelle Anstieg des Sauerstoffanteils in der Atmosphäre durch die Große Sauerstoffkatastrophe führte zu entscheidenden Entwicklungen in der Welt der Lebewesen:
- Aerobe (Sauerstoff atmende) Lebewesen verbreiteten sich rasant.
- Anaerobe (ohne Sauerstoff lebende) Organismen konnten nur überleben, wenn sie mit den anaeroben Lebewesen eine Symbiose eingingen
Dies führte zur sogenannten Endosymbiose, in welcher diese beiden Formen von Lebewesen sich zu einer Zelle vereinigten. Damit entstanden die ersten Eukaryoten, welche als Zellorganellen die Mitochondrien enthielten. Durch die Mitochondrien konnten die Eukaryoten den Sauerstoff nutzen.
Schneeball Erde
In die letzte Ära des Proterozoikums, das Neoproterozoikum, fallen zwei besonders starke Eiszeiten:
- die Sturtische Eiszeit (vor etwa 717 bis 660 Millionen Jahren)
- und die Marinoische Eiszeit (vor etwa 650 bis 630 Millionen Jahren)
Die Temperaturen waren in diesem langen Zeitraum so niedrig, und die Vereisung war so weitreichend, dass wahrscheinlich fast alle Gebiete der Erde vereist waren. Man spricht deshalb auch vom Schneeball Erde.
Das Phanerozoikum
Zeitraum: vor 541 Millionen Jahren bis heute
Das Phanerozoikum ist das Äon des sichtbaren Lebens. Dieser Begriff geht zurück auf die zahlreichen und vielfältigen Fossilienfunde, die in den zugehörigen Gesteinsschichten gemacht wurden.
Das Phanerozoikum ist aufgeteilt in drei Ären, welche jeweils in mehrere Perioden unterteilt sind:
- Paläozoikum (Erdaltertum): vor 541 bis 251,9 Millionen Jahren
- Mesozoikum (Erdmittelalter): vor 251,9 bis 66 Millionen Jahren
- Känozoikum (Erdneuzeit): von vor 66 Millionen Jahren bis heute
Kambrische Explosion
Die erste Periode des Paläozoikums, das Kambrium, beginnt mit einem nahezu explosionsartigen Anstieg der Artenvielfalt. Fossilienfunde zeigen, dass innerhalb von nur ca. 10 Millionen Jahren (eine im Vergleich zu anderen Entwicklungen in der Erdgeschichte sehr kurze Zeit) Tausende von neuen Arten entstanden.
Etwa vor 541 bis 530 Millionen Jahren entstanden durch die Kambrische Explosion auch die Vorfahren fast aller wichtigen Tierstämme, welche heute noch existieren. Dieser Zeitraum ist in den Fossilienfunden so auffällig und für die Entwicklung des Lebens so bedeutend, dass die gesamte Zeit davor (immerhin 4 Milliarden Jahre) nur als das Präkambrium (Zeit vor dem Kambrium) bezeichnet wird.
Die Gründe für diese in der Erdgeschichte einmalige Zunahme an Arten sind noch nicht vollständig erforscht. Der auffällige Anstieg an Fossilienfunden für diesen Zeitraum ergibt sich jedoch auch dadurch, dass die neu entstandenen Arten größer waren und durch die harten Schalen länger in den Gesteinschichten erhalten blieben.
Neue Erkenntnisse deuten auch darauf hin, dass die Kambrische Artenexplosion zwar gewaltig war, aber wohl doch nicht ganz so explosionsartig wie früher gedacht.
So begann die rasche Zunahme in der Artenvielfalt wahrscheinlich bereits mehrere Millionen Jahre früher. Auch gibt es in der Erdgeschichte weitere Zeiträume, in denen die Artenvielfalt stark zunahm, wie die Avalon Explosion vor ca. 575 Millionen Jahren.
Erste Wirbeltiere: Die Fische
Fossilienfunde belegen, dass sich etwa vor 530 Millionen Jahren die ersten Wirbeltiere (Vertebrata bzw. Vertebraten) im Wasser entwickelten: Die Gattungen Myllokunmingia und Haikouichthys gelten als die Vorfahren aller Fische.
Erste Landpflanzen
Vor ca. 450 Millionen Jahren breiten sich die ersten Pflanzen vom Wasser aus auf das Land aus. Zum Ende des Silurian, vor etwa 420 Millionen Jahren, existiert eine Vielfalt an verschiedenen Arten von Landpflanzen.
Erste Insekten
Fossillienfunde belegen, dass sich zu Beginn des Devon, vor etwa 419 Millionen Jahren, die ersten Insekten aus den Krebstieren entwickelten. Diese hielten sich vorrangig an Land auf. Etwa vor 400 Millionen Jahren gab es dann Insekten, die Flügel besaßen und so auch in der Luft fliegen konnten.
Erste Amphibien
Etwa vor 370 Millionen Jahren entwickelten sich im Wasser die ersten Amphibien. Sie verfügten anstelle von Flossen über Gliedmaßen. Dadurch konnten sie sich am Boden der Meere besser fortbewegen als ihre Vorfahren, die Fische.
Amphibien gehen an Land
Die Gliedmaßen der Amphibien ermöglichten mit der Zeit eine effektivere Fortbewegung über die Steine und den Sand des Meeresbodens. In Küstennähe befanden sich durch Ebbe und Flut viele Amphibien für kurze Zeit immer wieder regelmäßig außerhalb des Wassers.
Im Laufe von Millionen von Jahren konnten sich diese Amphibien bald auch über längere Zeit an Land aufhalten und fortbewegen, was etwa vor 360 bis 340 Millonen Jahren zunehmend stattfand.
Ein wichtiger Fossilienfund für diesen Prozess des Landgangs der Wirbeltiere ist der Tiktaalik.

Diese ersten Landwirbeltiere (Tetrapoda bzw. Tetrapoden) sind die Vorfahren vieler weiterer Landwirbeltiere, die sich in den nächsten Millionen Jahren entwickelten.
Superkontinente: Gondwana und Pangaea
Etwa vor 335 Millionen Jahren vereinigt sich der Superkontinent Gondwana mit Laurasia zu dem neuen Superkontinent Pangaea.
Erste Nabeltiere
Zur Mitte des Karbon, etwa vor 330 Millionen Jahren, entwickelten sich die ersten Nabeltiere (Amniota). Während die Amphibien sich zwar lange an Land aufhalten, aber nur im Wasser fortpflanzen konnten, bekamen die Nabeltiere an Land ihren Nachwuchs. Diese ersten Nabeltiere sind die Vorfahren fast aller heute lebenden Landwirbeltiere wie insbesondere aller Vögel und Säugetiere.
Massenaussterben
Fossilienfunde zeigen, dass vor etwa 252 Millionen Jahren, beim Übergang vom Perm zum Trias, ein großer Teil der Arten ausstarb.
Zeitalter der Dinosaurier
Mit dem Trias (vor 250 bis 200 Million Jahren) begann das Zeitalter der Dinosaurier.
Erste Säugetiere
Etwa vor 220 Millionen Jahren gab es die ersten Säugetiere. Sie entstanden aus den Synapsiden, welche sich ihrerseits vor etwa 300 Millionen Jahren aus den Reptilien entwickelt hatten. Wichtige Fossilienfunde für die ersten Säugetiere sind vor allem: Brasilodon, Morganucodon und Adelobasileus.
Einschlag des Chicxulub Asteroiden
Vor 66 Millonen Jahren schlug ein etwa 10 Kilometer großer Asteroid auf die Erdoberfläche. Der Einschlag dieses Asteroiden produzierte riesige Wolken aus Staub und Schwefel, welche sich über die gesamte Erde ausbreiteten, die Sonneneinstrahlung abschirmten und damit die Erdtemperaturen für viele Jahre drastisch abkühlten.
Der Asteroid Chicxulub beendete so das Zeitalter der Dinosaurier, welche sich nicht an die neuen klimatischen Bedingungen anpassen konnten. Dies ermöglichte die Ausbreitung der Säugetiere, was sich in den Fosillienfunden in einer deutlichen Zunahme der Artenvielfalt zeigt.
Primaten und Menschenaffen
Die Fossilienfunde für die ersten Primaten werden auf ein Alter von etwa 65 Millionen Jahren datiert. Innerhalb dieser biologischen Ordnung entwickelte sich vor etwa 18 Millionen Jahren die Familie der Menschenaffen.
Zu diesen gehören heute 4 Gattungen: Pongo (Orang-Utans), Gorilla, Pan (Schimpansen), und Homo (Menschen).
Gattung Homo
Etwa vor 2,8 Millionen Jahren gab es die ersten Vertreter der Gattung Homo. Es folgten der Homo Habilis (vor ca. 2,4 Millionen Jahren) und der Homo erectus (vor ca. 1,9 Millionen Jahren). Danach kamen viele weitere Menschenarten wie unter anderem Homo heidelbergensis, Homo neanderthalensis und Homo denisova. Den modernen Menschen, Homo sapiens, gibt es seit ca. 300.000 Jahren.
Quellen
Wikipedia: Stratigraphisches Prinzip
Wikipedia: Spätes schweres Bombardement
Wikipedia: Große Sauerstoffkatastrophe
Wikipedia: Schneeball Erde
Wikipedia: Proterozoikum
Wikipedia: Gondwana
